Der Wolf und die sieben Geißlein

Wer hat Angst vorm bösen Wolf? In Deutschland wurde der Wolf im 19. Jahrhundert ausgerottet. Es gab hundert Jahre keinen einzigen Wolf in den Wäldern, wo er laut Märchen der Gebrüder Grimm sein Unwesen trieb, Geißlein verschlang, sowie junge Mädchen mit roter Kopfbedeckung.

Tierschützer und Biologen können sich freuen, seit einigen Jahren ist der Wolf in deutschen Landen wieder heimisch. Doch Schäfer haben Angst um ihre Herden, Wanderer fürchten sich auf Waldwegen, manche Anwohner zittern sogar um ihre Kinder. Jetzt diskutierten die Umweltminister über Obergrenzen für die unter Naturschutz stehenden Tiere.

Wirft man einen Blick auf die Fakten, so werden Schafe und Ziegen nur selten von einem Wolf gerissen. Eine großangelegte Studie in der Lausitz hat gezeigt, dass weniger als 1 % der von Wölfen gefressenen Tiere Nutztiere waren. Auf dem Speiseplan der Raubtiere stehen fast ausschließlich Waldtiere. Mit Hütehunden und Zäunen lassen sich Wölfe wirkungsvoll von Nutztieren fernhalten. Wird ein Schaf oder eine Ziege dennoch Opfer eines Wolfs, wird der Halter finanziell entschädigt.

Zwischenfälle mit Menschen sind nicht bekannt. Als scheue Tiere meiden Wölfe den Kontakt mit Menschen. Es gibt keinen Grund, auf einen Waldspaziergang zu verzichten oder seine Kinder vom Spielplatz in Waldnähe fernzuhalten. Der Mythos von “bösen Wolf” war eine der Hauptursachen für die schrittweise Ausrottung in der Vergangenheit.

Nachdem der Wolf in Deutschland Ende des letzten Jahrhunderts unter Naturschutz gestellt wurde, gab es in Sachsen bald die ersten frei lebenden Exemplare, der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen gehört auch der Rest Deutschlands zum Verbreitungsgebiet, Wölfe sind in der Lage, große Strecken zurückzulegen. Sie können sich an die vorhandenen Lebensräume hervorragend anpassen, so gelingt ihnen eine schnelle Ausbreitung.

Ein großes Problem stellt für Wölfe der Straßenverkehr dar, regelmäßig werden Tiere überfahren. Auch illegale Abschüsse durch Jäger sind keine Seltenheit, manche sehen die Wölfe als Konkurrenz, da sie Rehe und Wildschweine erlegen. Nach Ansicht der Naturschützer sind Wölfe aber besser geeignet als Jäger, den Tierbestand im Wald zu regulieren.

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