Da ist der Wurm drin!

Aufgrund der voranschreitenden Erderwärmung beginnen Permafrostböden in Russland langsam aufzutauen, die seit Jahrtausenden gefroren waren. Das sorgt teilweise für kuriose Meldungen, so gelang es russischen Wissenschaftlern vor kurzem, eine eingeforene Pflanze aus der Eiszeit zum Blühen zu bringen.

Ist den Forschern in Russland eine wissenschaftliche Sensation gelungen? Sie entnahmen Proben des arktischen Permafrostbodens aus Jakutien, einer der kältesten Regionen Russlands, und tauten sie unter Laborbedingungen auf. Die Proben enthielten Nematoden, eingefroren vor mehr als 40.000 Jahren. Zwei dieser Würmer sollen in der Tat wieder zum Leben erwacht sein und sogar Nahrung zu sich genommen haben. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt von der Universität Moskau in der Fachzeitschrift “Doklady Biological Sciences” veröffentlicht.

Damit sind die beiden Würmer nicht nur offiziell die ältesten Lebewesen auf unserem Planeten, die Forschung erhofft sich auch neue Erkenntnisse im Bereich der kryogenen Konservierung, das Einfrieren von lebendem Gewebe mit dem Ziel, es für einen späteren Zeitpunkt zu erhalten und wieder nutzbar zu machen.

Im Rahmen der Studie gruben die russischen Biologen mehrere hundert Proben an unterschiedlichen Standorten aus, mit unterschiedlichem Alter. Unter Einhaltung hoher Sterilitätskriterien wurden die Proben nach Moskau transportiert, die Untersuchungen fanden dann in Laboren der Universität Moskau statt. Zusammen mit einem Nährmedium platzierten die Forscher die Nematoden in Petrischalen und bewahrten sie mehrere Wochen bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius auf. Tatsächlich zeigten dann einige von ihnen erste Lebenszeichen und begannen zu fressen.

Um das Alter der Bodenproben zu bestimmen, haben die Wissenschaftler die Methode der Kohlenstoffdatierung genutzt. Die Erdproben, in denen Exemplare der Gattung Panagrolaimus entdeckt wurden, sind demnach mehr als 30.000 Jahre alt. Die Probe mit Würmern der Gattung Plectus wurde auf die Zeit vor über 40.000 Jahren datiert. Beide Proben waren offenbar permanent eingefroren.

Die Wiederbelebung von Bakterien ist in der Wissenschaft nicht unbekannt, diese Einzeller kennen lebenserhaltende Tricks. Die Überlebensfähigkeit von Mehrzellern und kompliziertem Gewebe wird die Forscher allerdings noch lange Zeit beschäftigen, das sehen auch die Autoren der Studie so.